Das Potential von Kopie und Zitat 

In diesem Seminar gilt es herauszufinden, was sich aus und in der Kunst anderer lernen lässt bzw. was die Handlung mit dem/der Handelnden macht, ob sich die Motivation einer Handlung auch durch ihre konzentrierte Ausführung ergibt.
Die bei Musiker_innen übliche Arbeitsform des "Raushörens" wird hier auf das Theater übertragen. Das Prinzip des Lehrstücks (Brecht), der physischen Handlungen (Stanislawski) und des Reenactment (Collingwood) wird auf die genaue Nachahmung künstlerisch gestalteter Vorgänge und Handlungen ausgeweitet und angewendet.
Die Behauptung, dass die Ausführung einer äußeren/physischen/tatsächlichen Handlung nicht nur eine emotionale Wirkung, sondern auch eine kognitive Wirkung auf die Agierenden selbst hat, wird anhand nachahmenswerter Szenen überprüft. Besonders beeindruckende, verstörende oder/und unverständliche Arbeiten bzw. ihre Aufzeichnungen,werden durch die Studierenden zunächst genauestens analysiert, evtl. notiert und in der Folge möglichst exakt und unter offensivem Verzicht auf die eigene Interpretation nachgeahmt. Dabei beobachten und untersuchen wir, welche Spielräume eröffnet bzw. welche künstlerischen Entscheidungen bei diesem Prozess nötig werden, was uns bei Wahrnehmung, Analyse, Notation, Übersetzung und Probenpraxis hilft und welche Erkenntnisse und Erlebnisse diese scheinbar unkreative Form der Darstellung - in den Abstufungen Kopie, Nachvollzug, Aneignung Übersetzung und Zitat - bereithält.



look at me now and here i am probenfoto